Mit dieser provozierenden Frage hatte Dorike Mocker, Elternratsvorsitzende der
Grundschule im Forstbachtal, alle interessierten Eltern des Kindergartens in
Golmbach und der Grundschule im Forstbachtal am 10. März 2004 in das Gangolfhaus
in Golmbach eingeladen.
Aufgegriffen wurde dieses Thema, um Wege zu zeigen, wie bereits im Kindergarten-
und Grundschulalter möglichen späteren Suchtgefahren entgegen gewirkt werden
kann.
Als Referenten hatte Dorike Mocker den Experten W. Lenzen aus Hannover
eingeladen.
W. Lenzen arbeitet seit vielen Jahren in der christlichen Drogenarbeit mit
Jugendlichen und Erwachsenen, die sich zum Entzug entschlossen haben. Sein
großes Anliegen ist deshalb die Suchtprävention.
Dass dieses Thema vielen Eltern noch nicht wichtig erscheint, machte
auch der überschaubare Besuch deutlich.
H. Ulrich und N. Laschet haben die wichtigsten Punkte des Abends zusammen
gefasst.
Wann beginnt Suchtverhalten
Früher wurde versucht, Jugendliche über die Gefahren aufzuklären, indem
man die abschreckenden Folgeerscheinungen dargestellt habe. Diese Vorgehensweise
habe jedoch nicht den gewünschten Erfolg gehabt, so Lenzen.
Nach der Analyse vieler Lebensläufe von Drogenabhängigen weiß man heute, dass
die entscheidenden Stellen viel früher zu suchen sind. Die frühkindliche Prägung
durch Erziehung und Haltung der Erwachsenen gegenüber dem Kind sind maßgeblich
mit dafür verantwortlich, wie das Kind später Suchtmitteln aller Art gegenüber
tritt.
Suchtprävention setzt deshalb folgerichtig auf die Verantwortung, die Eltern,
Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit Kindern
übernehmen.
W. Lenzen konzentrierte sich in seinem Vortrag auf wenige Eckpunkte der
Erziehung, die er mit Beispielen aus seiner eigenen Familie anschaulich belegte.
Er betonte, dass es keine Rezepte und kein unfehlbares Verhalten Erziehender
gäbe.
Grundprinzip für ihn ist es, Kinder in ihrer ganzen Persönlichkeit sehr ernst zu
nehmen und sie seelisch stark zu machen.
Wichtig sei es, dass Kinder stabile Beziehungen zu beiden Elternteilen
entwickeln können. Damit komme besonders auf Alleinerziehende eine große
Aufgabe zu.
Grenzen setzen
Dass Kinder Freiräume zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit brauchen, akzeptieren
heute viele Eltern.
Das Thema "Grenzen setzen" gewinnt erst neuerdings wieder mehr an Bedeutung.
Warum und was unter "Grenzen setzen" zu verstehen ist, führte zu einer regen
Diskussion bei diesem Elternabend. In vielen Punkten waren sich die anwesenden
Eltern einig:
Grenzen schützen - sie geben
dem Kind einen Rahmen, in dem es vor Gefahren sicher ist (bestes Beispiel:
Verkehrserziehung) Grenzen sichern aber auch das soziale Miteinander - der Andere wird als
Individuum akzeptiert. Viele erwachsene Drogenkranke, so berichtete W.
Lenzen, hatten in ihrer Kindheit Defizite hinsichtlich der von ihren Eltern
gesetzten Grenzen. Sie erlebten Grenzenlosigkeit in ihrer Kindheit nicht als
Freiheit, sondern als Gleichgültigkeit oder Lieblosigkeit.
Eltern, die Grenzen setzen und auf die (strikte) Einhaltung achten, vermitteln
ihren Kindern auch, dass sie Anteil nehmen und sich um sie kümmern. So schaffen
Eltern den erzieherischen Rahmen, um selbstbewusste und starke Kinder zu haben,
die den Gefahren der Drogen besser entgegen treten können.
Zu den wichtigsten Grenzen gehört auch das "Nein" zu den
verbreitetsten Konsumgütern:
Süßigkeiten
Fernsehen Gameboy Playstation
Computerspiele ...
Ein völliger Verzicht steht dabei nicht zur Diskussion, sondern der
vernünftige, begrenzte Umgang damit.
An diesem Punkt der Diskussion konnten die Anwesenden zahlreiche Beispiele
nennen, so dass allen bewusst wurde, wie schwierig Erziehung in unserer
Konsumgesellschaft geworden ist.
Grenzen werden oft in der Familie entwickelt und decken sich selten mit den
Wertvorstellungen anderer Familien.
Fantasie und Geduld sind nötig, Alternativen auch für die Kinder interessant
werden zu lassen:
Statt Kindergeburtstag mit Animateur ein Indianernachmittag im Garten usw...
Ein wichtiges Feld war, dass alle Eltern mit ähnlichen Erziehungsvorstellungen
sich unterstützen müssten und Erfahrungen austauschen sollten. So können
(scheinbar) unliebsame Regeln von Kindern und Eltern besser ertragen werden.
Der Abend endete mit einem Dank an W.
Lenzen für diesen wichtigen und interessanten Vortrag.
Anschließend war
Gelegenheit, Bücher zu diesem Thema kennen zu lernen.