Werkstatt Sprache
Theater spielen gehört in Negenborn
zum festen Bestandteil der Schularbeit. Eine Weihnachtsfeier ohne eigenes
Theaterstück ist kaum denkbar.
2003 wurde der Wunsch, diese Arbeit weiter auszubauen und mit professioneller
Hilfe zu intensivieren, immer konkreter.
Zusammen mit dem Schauspieler Jürgen Rassek aus Göttingen wurde ein Entwurf
erarbeitet, wie Grundschulkinder in einer "Werkstatt für Sprachspiel und
Sprachgestaltung" ihre sprachlichen Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten
entwickeln und sensibilisieren können.
Im Frühling 2004 kam die gute Nachricht von der Robert-Bosch-Stiftung in
Stuttgart, dass das Projekt finanziell gefördert und damit in die Tat umgesetzt
werden kann.
Sprechen-Sprachgestaltung-Sprachspiel
Sprache und Sprechen gehört nicht
nur in der Schule zum alltäglichen Werkzeug. Wir können uns damit verständigen,
unsere Absichten, Wünsche oder Meinungen ausdrücken. Der Umgang mit Sprache als
Kommunikationsmittel ist zum Alltagsgeschäft geworden. Sprechen setzt allerdings
beim Gegenüber auch ein Verstehen voraus.
Durch die riesige Bilderflut der neuen Medien rückt die Sprache und das Sprechen
immer weiter in den Hintergrund.
Jeder Lehrer kennt das Phänomen,
dass Grundschulkinder bei manchen Begriffen sofort einen geräuschvollen
"Soundtrack" starten, bei anderen Begriffen verständnislos und hilflos wirken.
Es scheint oft, als ob Fernsehbilder präsenter sind als die Realität.
Filmsequenzen und Soundtracks haben einen starken Einfluss auf die kindliche
Entwicklung.
Sprachbilder, die beim Hören oder Lesen von Geschichten einen Film im Kopf
entstehen lassen, geraten ins Abseits. Die Fantasie wird weitgehend
reduziert.
Mit der Werkstatt für Sprachspiel und Sprachgestaltung wollen wir das Hören, das konzentrierte Wahrnehmen von Sprache und (Natur-) Geräuschen sensibilisieren. Über das Zuhören soll die Fähigkeit am verbindlichen Kommunizieren, die Lust am Sprechen und dem Spielen mit Lauten, Silben und Worten geweckt, gefördert und geschult werden.
Sprache und
Bewegung
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Am Anfang stehen für die Kinder Übungen
im chorischen Sprechen als auch Solo für eine saubere Artikulation und
Geläufigkeit im alltäglichen Sprechen und Kommunizieren, z.B. Zungenbrecher,
lustige Gedichte, zum Teil auch klassische Übungen zu Vokalen und Konsonanten
etc.
Das Erlernen (einschließlich Text-Souveränität) eines Übungs-Kanons soll den Kindern als Vorbereitung, als Handwerks-Zeug für eine künstlerische Sprachgestaltung, für die Darstellung von eigenen oder vorgegebenen literarischen Werken, insbesondere der lyrischen, epischen und dramatischen Kurzformen oder der Produktion eines Hörspieles dienen.
Lernziel und eigentliche Idee des Vorhabens ist die Sensibilisierung für das Hören, das konzentrierte Wahrnehmen von Sprache und (Natur-) Geräuschen den Kindern zu vermitteln.
Das Zu-Hören, die
Fähigkeit am verbindlichen Kommunizieren, der Spaß und die Lust am Sprechen und
dem Spielen mit Lauten, Silben, mit der Sprache und ihren Möglichkeiten als
Solche soll bei den Kindern geweckt, gefördert und geschult werden.
Die Tatsache, dass ein ausgebildeter Schauspieler an eine Grundschule kommt und
mit den Kindern Sprache beleben, mit den Kindern lebendiges Theater machen
möchte, hält Jürgen Rassek für andauernd innovativ.
Der Regelfall ist, dass Schauspieler für Kinder Spiele inszenieren, jedoch nicht mit Kindern direkt produzieren: Diese Produktion beginnt bereits mit den Grundübungen.
Der Zauberlehrling
Erste
Zwischenbilanz
Ob Goethes
Zauberlehrling, Herrn Urians Reise von Matthias Claudius oder Ottos Mops von
Jandl, in der ersten Zwischenbilanz vor den Sommerferien gab es beeindruckende
Ergebnisse.
Jürgen Rassek hatte es geschafft, die scheinbar alte Sprache für die Kinder
lebendig werden zu lassen. Sie wurde für alle zu einem Ereignis, das alle
zeitlichen Barrieren hinter sich ließ.
Herrn Urians Reise um die Welt von Matthias Claudius
mit
Zweitklässlern
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Reime von Paul
Maar
mit Erstklässlern
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Herr von Ribbeck
von Theodor Fontane
mit Drittklässlern
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Goethes
Zauberlehrling
mit Viertklässlern
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Gemeinsame
Gedichte und Reime
mit Jürgen Rassek
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Kalif Storch
Aus
Hauffs Märchen entsteht eine maßgeschneiderte Bühnenfassung
Nach dem
halbjährigen Grundtraining wurde es ab Herbst ernst.
Zusammen mit Heidi Ulrich, die seit vielen Jahren mit den Kindern in Negenborn
Theater spielt, wurde Hauffs Märchen Kalif Storch ausgewählt.
Für Jürgen Rassek eine große Herausforderung: Wie ließ sich Hauffs Märchen so in eine Spielfassung umwandeln, dass weder die großartige Sprache litt, noch für die Kinder zu schwer wurde.
Jürgen Rassek
löste das Problem, indem er sich eng an Hauffs sprachliche Vorgabe hielt und
mittels Schattenspiel und Tanz für die Spieler interessante neue Ebenen
einbaute.
Es entstand ein eigenes Textbuch und eine Neuinszenierung mit Kindern.
Probenarbeit für Kalif Storch
Wie würden die Kinder das neu entstandene alte Märchen aufnehmen? Würde es gelingen, den umfangreichen Text in drei Monaten mit den Kindern angemessen umzusetzen? Jürgen Rassek und Heidi Ulrich stand jetzt die eigentliche Herausforderung bevor.
Die Begeisterung
der Erwachsenen spiegelte sich in der Begeisterung der Kinder. Schnell begriffen
alle Beteiligten, dass dieses Stück nur mit konsequentem Text lernen und
ständigem Sprechtraining zu schaffen war.
Hier konnte Jürgen Rassek auf die Unterstützung und Erfahrung Heidi Ulrichs und
die Hilfe Meena van Scharrels zurück greifen. Durch tägliches Dialogtraining und
Hilfe beim Text lernen, blieb es ihm vorbehalten, wöchentlich an Sprache und
Ausdruck zu arbeiten.
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Bühnenbild und
Schattenfiguren
Für die Herstellung der Schattenfiguren und des Bühnenbildes, der Einstudierung
der Tanzelemente sowie der Herausforderungen an Bühne und Technik fand Jürgen
Rassek engagierte Hilfe bei Lehrern und Eltern. In zahlreichen Gesprächen wurde
die Inszenierung besprochen und nach Möglichkeiten gesucht, möglichst viele
Kinder in die Vorbereitungen einzubeziehen.
Zusammen mit Nicole Laschet
plante Jürgen Rassek die Schattenfiguren,
die dann von den Schülerinnen und Schülern hergestellt wurden.
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Susanne Moersener entwarf das Bühnenbild.
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Gisela
Reinold-Melber probte die Tanzelemente.
Angelika Bechtel fertigte maßgeschneiderte Kostüme für alle Mitspieler.
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Wolfgang
Hattenbach sorgte mit Jürgen Rassek für den Bühnenaufbau, Licht- und Tontechnik.
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Letzte Aufregung hinter der Bühne.
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Märchen
Wer neugierig geworden ist, und mehr
von Märchen wissen möchte, sollte die aktuelle Ausstellung im Brüder Grimm
Museum in Kassel nicht verpassen:

Die Ausstellung endet am 30. März 2005 !!!